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Indikatoren der Peak Oil/Gas Resilienz – Teilbericht zum ÖNB-Projekt “Conceptualizing the Capacity of the Austrian Economy to Adapt to Peak Oil and Gas””

July 26, 2013 2 comments

Hier finden Sie den Teilbericht zu dem von der Österreichischen Nationalbank geförderten Forschungsprojekt zu Indikatoren der Peak Oil/Gas Resilienz AP 1 POGAR_Bericht_08072013.

AutorInnen: Rosemarie Stangl, Andreas Exner, Tatjana Fischer, Reinhard Paulesich, Sacha Baud

Die Kernergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Peak Oil-Debatte dreht sich um den nahenden oder möglicherweise bereits überschrittenen Gipfelpunkt der weltweiten Erdölförderung, während auch bei Erdgas Indizien auf einen Förder­peak in naher Zukunft hindeuten. Für eine Gesellschaft, die in allen Lebens- und Produktions­bereichen von fossilen Rohstoffen als Schlüsselressourcen abhängt, setzen Peak Oil bzw. Gas zusätzlich zum Klimawandel die Energiewende auf die gesellschaftspolitische Agenda. Peak Oil und Gas ordnen sich in eine Reihe von Krisensträngen ein, die nicht nur die Energieversorgung und die damit zusammenhängende Klimastabilität umfassen, sondern auch die Landnutzung, die wirt­schaftliche Integrationsfähigkeit und Stabilität sowie die Legitimität von Regierungen und politischen Systemen. Diese und weitere Krisentendenzen stehen in einem komplexen Zusammen­hang, den die kritische Sozialwissenschaft seit einigen Jahren als Mehrfach- oder Vielfachkrise thematisiert.

In diesem Kontext muss die wachsende Prominenz des Resilienzbegriffs als eine diskursive Reaktion auf zunehmende Instabilitäten und mannigfache Fehlschläge bisheriger Strategien zur Erreichung von Nachhaltigkeit gedeutet werden. Krisen werden im Rahmen der Resilienzdebatte vielfach als einerseits unvermeidbar, andererseits sogar funktional interpretiert. Die Systeme, die resilient gemacht werden sollen, werden häufig nicht mehr grundlegend hinterfragt. Demgegen­über entwickelt sich jedoch auch ein zweiter Resilienzdiskurs, der gerade die Veränderung der Gesellschaft hin zu einer grundsätzlich weniger krisenanfälligen Ordnung des Zusammenlebens und Wirtschaftens anzielt, bei einer gleichzeitigen Erhöhung von Lebensqualität. Dafür spricht, dass Lebensqualität nicht von BIP/Kopf oder hohem Energieverbrauch abhängt, sondern wesent­lich von sozialer Gleichheit. Der Resilienzdiskurs vereint also durchaus abweichende, in manchen Aspekten auch widersprüchliche Konzeptionen. Diese Kontroverse lässt sich teilweise entlang der disziplinären Grenze zwischen Natur- und Sozialwissenschaft verorten.

Die Bestimmung von Faktoren der Resilienz angesichts Peak Oil und Gas erfordert einen sozialwissenschaftlich informierten theoretischen Zugriff, der empirische Untersuchungen für die Definition von Resilienzindikatoren nutzt. Ein solcher Zugang betont die antagonistische Struktur der gegenwärtigen Wirtschaftsweise, die in sie eingelassenen Macht- und Herrschaftsverhältnisse sowie die Vielfalt an ungleichen Akteuren mit widersprüchlichen, teilweise strukturell unverein­baren Interessen. Die Energiewende ist keine rein technische Veränderung, sondern eine tief­greifende sozial-ökologische Transformation in der Dimension eines historischen Epochen­bruchs, vergleich­bar mit dem Übergang vom agrarischen zum fossilen Zeitalter. Ansatzpunkte und in Teilbereichen oder in begrenztem Maße vorfindliche Strukturen einer solchen Transformation müssen als die primären Indikatoren von Resilienz gegenüber Peak Oil und Gas gelten. Eine Reihe von Studien zur Resilienz gegenüber Peak Oil verweist auf die Schlüsselrolle einer Veränderung der Wirtschaftsweise hin zu einer bedürfnisorientierten Postwachstums- bzw. steady state-economy. Dies wird mit einer Rückführung einer Internationalisierung von Wertschöpfungsketten („Globalisierung”) verbunden, ebenso wie mit einer tiefgreifenden Veränderung der politischen Entscheidungsstrukturen, die einer Postwachstumsökonomie adäquat sind, nämlich hin zu einem deutlich höheren Maß von kollektiver Selbststeuerung, sozialer Gleichheit und Demokratie. Diese Veränderung der Wirtschaftsweise kann mit einem Verweis auf die Praxen der Solidarischen Ökonomie oder der Gemeingüter (Commons) näher beschrieben werden.

Für Commons existiert ein reicher Fundus empirischer Erkenntisse zu ihrer ausgesprochen langfristigen Stabilität und folglich Resilienz. Auch zu der als gemeingüterbasierte Wirtschafts­weise zu verstehenden Solidarischen Ökonomie (mit ihren positiven Eigenschaften in Hinblick auf Sozialkapital, Vielfalt, Innovations­fähigkeit etc.) existiert inzwischen eine reiche empirische und theoretische Literatur, aus der praktische Maßnahmen zur Indikation von Resilienz Anleihen nehmen können.

Peak Oil und Gas sind mit den Mitteln und auf Basis der Erkenntnisse des klassischen Krisen- und Katastrophenmanagements (KKM) nur teilweise und in adaptierter Form zu bearbeiten. Anders als im klassischen KKM handelt es sich bei diesen Stressoren nicht um zeitlich und räumlich einge­grenzte Faktoren, sondern um die ganze Gesellschaft betreffende und voraussichtlich länger­fristig wirksame Störungen des fossilen Produktionssystems. Peak Oil und Gas betreffen dabei einerseits die Ebene der physischen Gebrauchswerte (Güter) und Versorgungsdienste, die direkt oder indirekt auf fossile Ressourcen angewiesen sind. Andererseits beruht die wachstums­orientierte und marktdominierte Wirtschaftsweise insgesamt auf fossilen Ressourcen. Peak Oil und Gas können daher im worst case eine akute Staatskrise und Sicherheitsbedrohung bedeuten und beeinträchtigen voraussichtlich auch Investitionstätigkeit, Beschäftigung und den Zugang zu Daseins­grund­funktionen, die im Rahmen dieser Wirtschaftsweise von Wachstum und Gewinn­aussichten abhängen.

In Hinblick auf Peak Oil und Gas lassen sich kurzfristige Notfallsplanung und langfristige Trans­formation kaum streng voneinander trennen. Individuelle Eigenvorsorge ist in Hinblick auf die mit Peak Oil zu verbindende gesellschaftliche Gesamtkrise als inadäquat zu betrachten. Dagegen rücken Mitigation (insbesondere in Bezug auf Landnutzungs- und Raumentwicklungsplanung) und die kollektive Handlungsfähigkeit, die vor allem auf Sozialkapital beruht, in den Vordergrund. Diese Einsicht des KKM lässt sich gut mit den Erkenntnissen der Transformationsforschung und Erfahrungen bisheriger (begrenzter) schwerer Energiekrisen verbinden und bildet die wesentliche Schnittmenge aus kurzer und langer Frist der Resilienz.

Die Frage nach den Bedingungsfaktoren von Sozialkapital fällt letztlich mit der Frage nach neuen, innovativen Wirtschaftsweisen zusammen, die nicht von Wachstum abhängen, nicht von Konkurrenz getrieben und auf Profit hin orientiert sind und perspektivisch die Fähigkeit zu einer bewussten Schrumpfung des Outputs eröffnen. Ein aus strategischer Sicht zentraler Wirkzusammenhang ist dabei der Tugendzirkel aus sozialer Gleichheit, Reziprozität (soziale Beziehungen anstatt von Marktverhältnissen), Vertrauen und Kooperation. Hier eröffnen sich mannigfache Möglichkeiten der Intervention für Akteure, die auf eine sozial-ökologische Transformation abzielen. Diese werden für einzelne Gesellschaftsbereiche im letzten Teil des Berichts ausformuliert.

Die Struktur des Berichts:

Der vorliegende Bericht ist Teil des Arbeitspakets AP1 im Projekt „Peak Oil and Gas Resilience (POGAR). Conceptualizing the Capacity Of The Austrian Economy To Adapt To Peak Oil and Gas”, gefördert durch den Klima- und Energiefonds der Österreichischen Forschungsgesellschaft FFG. Den Anforderungen an dieses Arbeitspaket wird der Bericht in folgender Weise gerecht:

Kapitel 2 stellt den Problemaufriss von Peak Oil/Gas und der Ressourcenfrage dar und diskutiert Überlegungen zu natur- und sozialwissenschaftlichen Resilienzansätzen. Insbesondere wird die Begriffliche Verwendung von „Community Resilienz” zur Verwendung im vorliegenden Bericht geklärt. Zudem werden resilienzrelevante Raumtheorien, Krisen- und Katastrophenmanagement­theorien und Wahrnehmungsperspektiven aufgegriffen.

Kapitel 3 widmet sich dem theoretischen Modell zu Resilienz, greift die vielfältigen Diskurse und Definitionen dazu, die Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Debatten sind, auf und setzt sie in Bezug zu Peak Oil und Gas. Fokussiert werden zudem die Perspektive des Krisen- und Katastrophenmanagements sowie regionale Resilienz.

Kapitel 4 greift die Diskurse zur POGAR-Resilienz im Speziellen auf und identifiziert kontro­versielle Positionen. Weiters wird auf Basis eines Literaturüberblicks zur POGAR-Wirkung ein theoretisches Modell dazu abgeleitet.

Kapitel 5 beschäftigt sich mit der raumplanerischen Annäherung an Resilienz mit POGAR-Bezügen. Aspekte der Daseinsvorsorge, der Alltagsorganisation und der Verwundbarkeit von Raumtypen werden dabei hervorgehoben.

Kapitel 6 befasst sich mit der Relevanz von Peak Oil (und Gas) für die staatlich-gesellschaftliche Sicherheit unter Berücksichtigung des Konzepts zum Schutz Kritischer Infrastrukturen. Die allgemein anerkannten Phasen des Krisen- und Katastrophenmanagementskreislaufes werden zu Resilienz in Bezug gesetzt und die Bedeutung von Mitigation, Risikobewusstsein und Wahr­nehmung illustriert.

Kapitel 7 zentriert sich um das Thema Perzeption von Peak Oil und Gas. Die Gesetzmäßigkeiten von Risikobewusstsein und -wahrnehmung werden dargelegt und die aktuelle Literatur in Hinblick auf Peak Oil-Perzeption analysiert. Trends in der Perzeption von Ressourcenverknappung und Energiesicherheit werden aufgezeigt.

Kapitel 8 setzt sich mit dem Konzept Sozialkapital und seiner Bedeutung für Resilienz aus­einander. Die Definitionen von Sozialkapital und seine Komponenten werden im Detail erläutert.

Kapitel 9 bietet einen Überblick  zu Indikatoren der Resilienz in der Literatur und vergleicht diese mit den Theoriemodellen zur POGAR-Wirkung. Aufgegriffen werden Indikatoren aus dem Peak Oil-Diskurs, aus raumplanerischen Ansätzen, aus den Krisen- und Katastrophenmanagement-Konzepten und aus der Sozialkapital-Theorie. Letztlich werden die Problematiken der (statistischen) Datenverfügbarkeit aufgezeigt und diskutiert.

Kapitel 10 schließlich synthetisiert die theoretischen Aufbereitungen in Bezug auf die soziale Auseinandersetzung mit Peak Oil, mit Resilienztheorien und -prinzipien und in Bezug auf die sozial-ökologische Transition. Letztlich wird ein Mindestdeckungsbereich an Indikatoren der Resilienz gegenüber Peak Oil und Gas vorgeschlagen.

 

 

Metallverknappung betrifft Energiewende – Forschungsprojekt “Feasible Futures”

[via]

München und Klagenfurt, 12. März 2012

Das vom Österreichischen Klima- und Energiefonds (KLIEN) der Österreichischen Bundesregierung geförderte Forschungsprojekt „Feasible Futures“ untersucht, in welchem Ausmaß Versorgungskrisen bei fossilen und metallischen Stoffen die Wende hin zu erneuerbaren Energien beeinflussen und vielleicht gefährden. Erste Projektergebnisse sind nun auf der Website http://www.umweltbuero-klagenfurt.at/feasiblefutures/ verfügbar.
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Metal Scarcities Influence Renewable Energy Transition – Research Project “Feasible Futures”

[via]

Munich and Klagenfurt, 6. March 2012

The research project „Feasible Futures“, funded by the Austrian Climate- and Energyfund (KLIEN) of the Austrian Federal Government, investigates how supply crises of fossil and metal resources might influence and endanger the transition to renewable energies. First project results now are available in English at the website http://www.umweltbuero-klagenfurt.at/feasiblefutures/
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