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Neuerscheinung zu Nachhaltigkeit, Resilienz und Partizipation: “Den kulturellen Wandel gemeinsam gestalten”

Titel_Trattnigg_Kultureller-Wandel_4c_b95e1807c9_4bd2a03cdcAktuelles Buch zeigt auf, wie zukunftsfähige Politik- und Alltagsgestaltung gelingen kann

Thomas Haderlapp/Rita Trattnigg: Zukunftsfähigkeit ist eine Frage der Kultur
Hemmnisse, Widersprüche und Gelingensfaktoren des kulturellen Wandels

oekom-Verlag, München, 2013

ca. 700 Seiten, 44,95 EUR

ISBN 978-3-86581-413-5

ab Jänner 2013 lieferbar

Kontakt: www.kultureller-wandel.at

Als Ergebnis eines mehrjährigen interdisziplinären Forschungsprozesses legen der Lebensqualitäts- und Pionierforscher Thomas Haderlapp und die Expertin für Zukunftsfähigkeit und Prozessbegleiterin Rita Trattnigg eine umfassende Untersuchung vor, die Wege und Hürden in eine Kultur der Zukunftsfähigkeit aufzeigt. Das Buch wirft einen Blick hinter die Kulissen und stellt Fragen nach den grundlegenden Paradigmen und Glaubenssätzen unserer kulturellen Verfasstheit. Die derzeitigen multiplen Krisen, so die AutorInnen, weisen darauf hin, dass wir im Zuge eines kulturellen Wandels gemeinsam passendere Antworten finden müssen. Denn: Unsere Kultur spielt eine entscheidende Rolle bei unserem Umgang mit uns, der Zukunft und der Welt.

Aus Tiefeninterviews mit PolitikerInnen aller politischen Ebenen und Couleurs sowie AkteurInnen der Zivilgesellschaft, darunter AktivistInnen von NGOs und PionierInnen des Wandels entwickelt das Buch ein vielschichtiges Bild einer Kultur der Zukunftsfähigkeit und macht einen erweiterten Blick auf die nachhaltige Entwicklung möglich, wie er bisher noch selten in diesem Bereich vorgenommen wurde. Aufschlussreiche Original-Zitate geben Einblicke in die Denk- und Handlungsweisen der AkteurInnen. Die Aussagen der PolitikerInnen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft machen deutlich, was einer zukunftsfähigen Politik- und Alltagsgestaltung derzeit noch im Wege steht und was es braucht, um Zukunftsfähigkeit gelebte Praxis werden zu lassen. „Die Kluft zwischen der rhetorischen Ebene und der Handlungsebene ist eklatant und war wahrscheinlich noch nie so groß wie jetzt.“, gibt etwa ein hochrangiger Landespolitiker zu. Dass es gegenüber einer nachhaltigen Entwicklung in der derzeitigen kurzlebigen Politiklandschaft viele Vorbehalte gibt, bringt eine ehemalige Nationalratsabgeordnete auf den Punkt: „Nachhaltigkeit: Puh, das dauert lang, ob ich das als Politikerin noch erlebe…“

Obwohl die Mehrzahl der interviewten Personen ein hohes persönliches Problembewusstsein im Hinblick auf nachhaltige bzw. zukunftsfähige Entwicklung an den Tag legt, scheitern weitergehende Umsetzungen bislang entweder an strukturellen Gründen, schwer auszugleichenden Interessengegensätzen oder diversen ‚Sachzwängen’. Auf Seiten der Politik hemmen unter anderem Kurzfristorientierung, Wiederwahlwunsch, (partei-)politische Taktik, (Lobby-)Einfluss starker Einzelinteressen, Zeitknappheit, ökonomische Abhängigkeit sowie mangelnde Ressourcenausstattung eine zukunftsfähige Politikgestaltung. „Ein tiefer liegendes strukturelles Problem ist, dass zukünftige Generationen und die Natur im politischen Prozess kaum Interessenvertretungen haben, weshalb Politik  tendenziell zukunfts- und naturvergessen agiert“, führt Thomas Haderlapp weiter aus.

Das derzeit wichtigste Dilemma der Politik, trotz steigender Komplexität, höherer Geschwindigkeit und globaler Problemlagen den Anschein erwecken zu müssen, quasi ‚alles im Griff’ zu haben, ohne jedoch eigene Unsicherheiten zugeben zu können, beschreibt etwa ein Landesrat: „Ich erlebe es so, dass es viele PolitikerInnen gibt, die unter der Art und Weise, wie sie ihren Beruf leben, irrsinnig leiden und dabei fast vor die Hunde gehen“. Wenngleich die Zivilgesellschaft Verständnis für Problemsituationen in der Politik hat, so würde „eine glaubwürdige, konsistente und mutige Linie seitens der Politik, den BürgerInnen den Wandel leichter machen“, so ein Interviewpartner aus der Zivilgesellschaft. Wichtig werden also immer mehr gegenseitige Unterstützung und das Erkennen, dass ein partnerschaftliches Politikverständnis für eine andere kulturelle Praxis in Politik und Alltag eine gemeinsame Herausforderung ist. „Es geht um eine Verlebendigung der Demokratie, was bedeutet, dass Politik als gemeinsamer Prozess gesehen wird und dabei alle als Ko-ProduzentInnen mitwirken“, so Rita Trattnigg.

Entgegen zu wirken gilt es jenen Phänomenen der Entkoppelung, die im Zuge der Forschung auf unterschiedlichen Ebenen thematisiert werden: Etwa der Entkoppelung der Lebenswelten von Politik und BürgerInnen oder jener von Realwirtschaft und Finanzwirtschaft, aber auch den Entkoppelungen auf anderen Ebenen, wie etwa jener von Wissenschaft und Alltagswissen oder dem Verhältnis von Mensch und Natur, um nur einige Beispiele zu nennen. Gerade am Beispiel der Entkopplung der Lebenswelten von Politik und BürgerInnen zeigt sich, dass dies zum Verlust von Vertrauen führt. Eine Nationalratsabgeordnete verweist darauf, dass „sich der Alltag von SpitzenpolitikerInnen zwischen Sitzungssälen, Flughafen, Meetings und Veranstaltungen abspielt und man kaum direkte Berührungspunkte mit der Bevölkerung hat“. Andererseits fehlt auch der Bevölkerung der Einblick in das komplexe Innenleben der Politik. Die Folge davon ist der Anstieg des gegenseitigen Unverständnisses. Um gegenseitig Vertrauen gewinnen und erfolgsversprechende Lösungen entwickeln zu können, werden Rückkoppelungen, ‚Beziehungsarbeit’ und Wertschätzung notwendig. Denn: Vertrauen kann vor allem daraus erwachsen, sich gegenseitig etwas zuzutrauen. „Bisher haben sich Zivilgesellschaft und Politik zu sehr als Gegenspieler gesehen. Sie müssen sich als Partner begreifen und können nur miteinander etwas bewegen“, so etwa die Erkenntnis eines Vertreters der Zivilgesellschaft.

Was die zukunftsfähige Alltagsgestaltung betrifft, so werden beispielsweise der gestiegene alltägliche (Organisations-)Druck, Zeitmangel, Bequemlichkeiten, Verlustängste sowie die zunehmende Unübersichtlichkeit und divergierende Informationen als hemmend empfunden. Als wichtige Gelingensfaktoren für Zukunftsfähigkeit nennt Thomas Haderlapp etwa „raum- und zeitübergreifendes Denken und Handeln, Mut zum Experiment, den produktiven Umgang mit grundlegenden Widersprüchen, Selbstermächtigung, eine aufgeklärte lebenskünstlerisch-genussvolle Haltung sowie die Einrichtung von Zeiten und Räumen, in denen Kulturreflexion möglich wird“. Beteiligungsprozesse könnten solche Zeiten und Räume darstellen.

Um das Potential einer zukunftsfähigen Politik- und Alltagsgestaltung freizusetzen, werden insbesondere innovative Dialog- und Aushandlungsmethoden immer wichtiger. Einige dieser Methoden werden bereits erfolgreich angewandt und ermöglichen die gemeinsame Problemdiskussion, Aushandlung und Erarbeitung von Lösungen. Prozesskompetenz, also die Fähigkeit, derartige Prozesse zu gestalten und zu begleiten, wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. „Partizipative Prozesse etablieren sich zunehmend als relevante Orte der Entscheidungserarbeitung und Vertrauensbildung“, so die Einschätzung von Rita Trattnigg, die überzeugt ist, dass „solche Prozesse demokratiestärkend wirken. Die Vielfalt der Sichtweisen aller Beteiligten trägt zum Erkennen von Gestaltungsspielräumen bei und führt aus der Ohnmacht in das Gefühl der Handlungsfähigkeit“. Aus ihrer praktischen Erfahrung als Prozessbegleiterin bewirken partizipative Prozesse „einen qualitativen Zugewinn im Sinne einer vertieften, langfristigen sowie kooperativen Politik- und Alltagsgestaltung, womit sie einen bedeutenden Beitrag zur ‚Direktheit’ von Demokratie leisten.“ Hier besteht noch Handlungsbedarf, was das Statement einer Vertreterin der Zivilgesellschaft verdeutlicht: „Das Wesentliche wäre, dass die Politik beginnt, die Menschen ernst zu nehmen“.

Um Alternativen zur Alternativlosigkeit realisieren zu können, – so die AutorInnen – ist eine radikale, also an die Wurzeln gehende Auseinandersetzung mit grundlegenden Paradigmen, Glaubenssätzen und Widersprüchen unserer kulturellen Verfasstheit gefordert. Wichtige Fragen dabei sind: Wollen wir es so wie wir es uns eingerichtet haben (Peter Heintel)? Was sind unsere Prioritäten und Ziele? Welche Mittel wollen wir dafür einsetzen? Ziel wäre das ‚große Gespräch’ – bestehend aus vielen kleinen Gesprächen – von Politik, Zivilgesellschaft, BürgerInnen, Wissenschaft und Wirtschaft, um diese Fragen zu den anstehenden Herausforderungen lösen zu können. Die dabei kollektiv zu erarbeitende Kultur der Zukunftsfähigkeit basiert auf einer Vielfalt von Lösungen und Lebensentwürfen. „Umfassende Lebensqualitätsorientierung könnte dabei den Maßstab einer Kultur der Zukunftsfähigkeit darstellen“, betont Thomas Haderlapp.

Das vorliegende Buch zeigt auf, wie es jetzt – 300 Jahre nachdem Carl von Carlowitz die Idee der Nachhaltigkeit im Jahr 1713 erstmals formulierte – gelingen kann, nachhaltige Entwicklung bzw. Zukunftsfähigkeit als Kulturgut zu begreifen und gelebte Praxis werden zu lassen. „Wir alle sind MitgestalterInnen unseres Systems. Nutzen wir dieses Bewusstsein und die daraus entstehenden Möglichkeiten und Gestaltungsspielräume dort wo wir leben, arbeiten und wirtschaften. Für den kulturellen Wandel braucht es uns alle! Was alle angeht, müssen auch alle gemeinsam angehen!“, so die AutorInnen.

Mehr Informationen: www.kultureller-wandel.at

Details zum Buch: http://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/zukunftsfaehigkeit-ist-eine-frage-der-kultur.html

AutorInnen-Thomas-Haderlapp-Rita-TrattniggZu den AutorInnen:

Thomas Haderlapp,

Jurist und promovierter Philosoph, Lebensqualitäts- und Pionierforscher, mehrjährige Forschungs- und Lehrtätigkeit am Zentrum für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg. Experte für Corporate Social Responsibility. Er unterstützt Unternehmen, Gemeinden und Regionen bei der Lösung von erfolgsrelevanten Zukunftsfragen mittels Interventionsforschung und partizipativen Methoden. Darüber hinaus leitet er Seminarwanderungen zu den Themen Zukunftsfähigkeit, alternatives Wirtschaften und kultureller Wandel (www.weiterblick.at). Freie journalistische Tätigkeit. Sein besonderes Anliegen ist die Beschäftigung mit Lebenskunst und Genuss auf dem Weg in eine Kultur der Zukunftsfähigkeit.

Rita Trattnigg,

Politologin und promovierte Philosophin, Expertin für Zukunftsfähigkeit im österreichischen Lebensministerium. Sie initiiert und gestaltet Projekte, die den Wandel in eine Kultur der Zukunftsfähigkeit unterstützen sollen: sie ist u.a. Mitbegründerin der Initiative „Wachstum im Wandel“ und des Schwerpunktes Partizipation (www.partizipation.at). Am Herzen liegt ihr die Entwicklung innovativer Dialog-Formate (z.B. „Politik im Dialog“) und die Moderation und Begleitung kultureller Wandel-Prozesse mit partizipativen Ansätzen und Methoden (u.a. BürgerInnen-Räte auf lokaler/regionaler, Landes- und Bundesebene; “Art of Hosting”); freie Forscherin; Mitarbeit an zivilgesellschaftlichen Initiativen (u.a. Gründungsvorständin des Projektes zur Gründung und Förderung der Demokratischen Bank). Sie wurde 2010 und 2012 von der Nachhaltigkeits-Community in Österreich als „nachhaltige Gestalterin“ ausgezeichnet.

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